Volkswirtschaft, Branchen (URS), Konjunktur, Preise – Erläuterungen
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
Rechtsgrundlagen, Erläuterungen | ^
Die vorliegenden Datenreihen enthalten ausgewählte Ergebnisse der Entstehungs-, Verteilungs- und Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsproduktes – zunächst ab 1991. Die Berechnungen erfolgen auf der Basis des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 1995 (ESVG 1995), dessen Anwendung mit der Verordnung (EG) Nr. 2223/96 des Rates vom 25.06.1996 für die EU-Mitgliedstaaten vorgeschrieben ist. Neu berücksichtigt werden die Verordnung (EG) Nr. 1889/2002 der Kommission vom 23.10.2002 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 448/98 des Rates hinsichtlich der Aufgliederung der unterstellten Bankgebühr (FISIM) und die Entscheidung 98/715/EG der Kommission vom 30.11.1998 zur Einführung der Vorjahrespreisbasis. Ziel dieser Verordnungen ist die europaweite Harmonisierung der Berechnung wirtschaftlicher Kenngrößen.
Die Entstehungsrechnung zeigt die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft von der Produktionsseite her. Zentrale Größe der Entstehungsrechnung ist das Bruttoinlandsprodukt. Die Verwendungsrechnung zeigt dagegen die letzte Verwendung von Waren und Dienstleistungen. Diese setzt sich zusammen aus den Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates, den Bruttoanlageinvestitionen und – speziell in der Länderrechnung – dem Restposten, der u. a. den Außenbeitrag und die Vorratsveränderung enthält. Die Ergebnisse der Entstehungs- und Verwendungsrechnung werden sowohl in jeweiligen Preisen als auch preisbereinigt, d. h. nach Ausschaltung der Preisänderungen, ausgewiesen.
Die Verteilungsrechnung konzentriert sich auf Länderebene in den hier dargestellten Tabellen auf die Einkommensaggregate der privaten Haushalte einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck. Bei der Einkommensentstehung wird das geleistete Arbeitnehmerentgelt nach dem Arbeitsort (Inlandskonzept) dargestellt. Im Gegensatz dazu erfolgt beim empfangenen Arbeitnehmerentgelt der Nachweis nach dem Wohnort der Arbeitnehmer (Inländerkonzept). Das empfangene Arbeitnehmerentgelt ist die Ausgangsgröße der primären Einkommensverteilung der privaten Haushalte, in die zusätzlich deren Betriebsüberschuss bzw. Selbstständigeneinkommen sowie der Saldo der geleisteten und empfangenen Vermögenseinkommen einfließen. Ausgehend vom Primäreinkommen wird im Rahmen der sekundären Einkommensverteilung und einkommensumverteilender Maßnahmen des Staates – d. h. Erhebung von Einkommensteuern und Sozialbeiträgen, Gewährung von Sozialleistungen – das Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte abgeleitet.
Definitionen | ^
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- Arbeitnehmerentgelt
- Das Arbeitnehmerentgelt (Inland) umfasst sämtliche Geld- und Sachleistungen, die den innerhalb eines Wirtschaftsgebietes beschäftigten Arbeitnehmern aus den Arbeits- oder Dienstverhältnissen zugeflossen sind. Das Arbeitnehmerentgelt setzt sich zusammen aus den Bruttolöhnen und -gehältern sowie den tatsächlichen und unterstellten Sozialbeiträgen der Arbeitgeber.
- Bruttoanlageinvestitionen
- Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellte Anlagen und größere Wert steigernde Reparaturen. Es werden auch gewisse Werterhöhungen an nichtproduzierten Vermögensgütern berücksichtigt, insbesondere erhebliche Verbesserungen an Grund und Boden (z. B. Trockenlegung von Marschland etc.). Militärische Anlagen werden berücksichtigt, soweit sie zivil nutzbar sind. Als dauerhaft gelten diejenigen Produktionsmittel, deren Nutzungsdauer mehr als ein Jahr beträgt. Die Bruttoanlageinvestitionen setzen sich aus dem Erwerb neuer Anlagen und dem Saldo aus Käufen und Verkäufen von gebrauchten Anlagen zusammen. Da ein vollständiger Nachweis der Transaktionen mit gebrauchten Anlagen zwischen den investierenden Wirtschaftsbereichen mangels statistischer Unterlagen nicht möglich ist, können die Anlageinvestitionen nach Wirtschaftsbereichen nur auf Grundlage neuer Anlagen dargestellt werden. Die neuen Anlagen gliedern sich in Ausrüstungen, sonstige Anlagen und Bauten.
- Bruttoinlandsprodukt
- Das Bruttoinlandsprodukt umfasst den Wert aller innerhalb eines Wirtschaftsgebietes während einer bestimmten Periode produzierten Waren und Dienstleistungen. Es entspricht der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche zuzüglich der Gütersteuern und abzüglich der Gütersubventionen. Die Bruttowertschöpfung, die zu Herstellungspreisen bewertet wird, ergibt sich für jeden Wirtschaftsbereich aus dem Bruttoproduktionswert zu Herstellungspreisen abzüglich der Vorleistungen zu Anschaffungspreisen.
- Bruttolöhne und -gehälter
- Die Bruttolöhne und -gehälter (Verdienste) enthalten die von den im Inland ansässigen Wirtschaftseinheiten (Betrieben) geleisteten Löhne und Gehälter der beschäftigten Arbeitnehmer vor Abzug der Lohnsteuer und der Sozialbeiträge der Arbeitnehmer sowie Sachleistungen, die den Arbeitnehmern unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung gestellt werden.
- Erwerbstätige
- Als Erwerbstätige (Inland) werden alle Personen angesehen, die innerhalb eines Wirtschaftsgebietes einer Erwerbstätigkeit oder mehreren Erwerbstätigkeiten nachgehen, unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden wöchentlichen Arbeitszeit. Nach der Stellung im Beruf wird unterschieden zwischen Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen sowie Arbeitnehmern (Arbeiter und Angestellte, geringfügig Beschäftigte, Beamte). Bei den Erwerbstätigen (Inländer) wird die Erwerbstätigkeit im Gegensatz zum Inlandskonzept nicht nach dem Arbeitsort, sondern nach dem Wohnort festgestellt. [Quelle: Arbeitskreis »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder«].
- Primäreinkommen der privaten Haushalte
- Das Primäreinkommen der privaten Haushalte (einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck) enthält die Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen, die den inländischen privaten Haushalten zugeflossen sind. Zu diesen Einkommen gehören im Einzelnen das Arbeitnehmerentgelt, die Selbstständigeneinkommen der Einzelunternehmen und Selbstständigen, die auch eine Vergütung für die mithelfenden Familienangehörigen enthalten, der Betriebsüberschuss aus der Produktion von Dienstleistungen aus eigengenutztem Wohneigentum, sowie die netto empfangenen Vermögenseinkommen (einschließlich des Erwerbs von Finanzserviceleistungen, indirekte Messung (FISIM)).
- Private Konsumausgaben
- Als Private Konsumausgaben werden die Waren- und Dienstleistungskäufe der inländischen privaten Haushalte für Konsumzwecke bezeichnet. Neben den tatsächlichen Käufen, zu denen unter anderem Entgelte für häusliche Dienste gehören, sind auch bestimmte unterstellte Käufe enthalten, wie zum Beispiel der Erwerb von Finanzserviceleistungen, indirekte Messung (FISIM), der Wert der Nutzung von Eigentümerwohnungen sowie so genannte Naturalentgelte für Arbeitnehmer (z. B. Deputate). In den Privaten Konsumausgaben sind auch die Konsumausgaben der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck enthalten.
- Sparen der privaten Haushalt
- Der überwiegende Teil des Verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte wird konsumiert. Der nicht konsumierte Teil des Verfügbaren Einkommens zuzüglich der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche stellt das Sparen der privaten Haushalte dar. Die Relation aus dem so ermittelten Sparen zu dem Verfügbaren Einkommen (letzteres erhöht um die Zunahme der betrieblichen Versorgungsansprüche) wird als Sparquote der privaten Haushalte bezeichnet.
- Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte
- Das Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte (Ausgabenkonzept) ergibt sich dadurch, dass dem Primäreinkommen einerseits die monetären Sozialleistungen und sonstigen laufenden Transfers hinzugefügt werden, die die privaten Haushalte überwiegend seitens des Staates empfangen; abgezogen werden dagegen andererseits Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers, die von den privaten Haushalten zu leisten sind. Das Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte entspricht damit den Einkommen, die den privaten Haushalten letztendlich zufließen und die sie für Konsum- und Sparzwecke verwenden können.
Zeichenerklärung | ^
- 0
- weniger als die Hälfte von 1 in der letzten besetzten Stelle, jedoch mehr als nichts
- –
- nichts vorhanden (genau Null)
- ·
- Zahlenwert unbekannt oder geheim zu halten
- x
- Tabellenfach gesperrt, weil Aussage nicht sinnvoll
- …
- Angabe fällt später an
- /
- Zahlenwert nicht sicher genug
- ()
- Aussagewert eingeschränkt
- p
- vorläufige Zahl
- r
- berichtigte Zahl
- s
- geschätzte Zahl
- D
- Durchschnitt (arithmetisches Mittel)
© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2013 | ^